Wir sehen nur was wir wissen - Goethe

PAUL SCHINDLER
1953 WIEN

Die Verführungskraft der Fotografie beruht auf ihrer scheinbar beruhigenden Gewissheit von Wirklichkeit. Sie spielt mit dem Anschein der Objektivität. Nicht, dass das Foto realer wäre als andere Informationsmedien, wir glauben dem Foto einfach mehr. Diese suggestive Kraft nutze ich in meiner Arbeit: Fotografie als Illusion einer Wirklichkeit.

Der Betrachter ist animiert, seine Wahrnehmung zu überprüfen. Es stellt sich die Frage: Wie ist eine Realität beschaffen, die so aussieht? Ich liefere keinen Kontext zum Objekt, denn das Perzept fordert unwiderstehlich zu Deduktion und Spekulation auf. Nicht das Sehen neuer Dinge steht im Vordergrund, sondern das neue Sehen der Dinge. Die erweiterte Wahrnehmung ist Erlebnis und zugleich ein Schritt in eine neue Wirklichkeit.

Meine Ausbildung in Fotografie erhielt ich an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, Abteilung Fotografie, bei Professor Hartmann. In den 80er Jahren nahm ich an einigen Gruppenaustellungen teil (Auszeichnung und Preis der Creditanstalt Bankverein).

Die vorliegenden Arbeiten sind digital fotografiert und werden nur in Helligkeit und Kontrast justiert. Die Arbeiten zeigen Oberflächen bestimmter seriell gefertigter Industrieprodukte, die durch individuelle, zufällige, mechanische, chemische und biologische Prozesse verändert wurden.